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Schnimene Kariertation

Tom Bäcker zeigt in der neugestalteten Zunfthalle in Moabit „Architekturische Fotografiertheiten“

Fassaden haben Fenster, Wände sind Teile von Häusern und im allgemeinen haben Gebäude Ecken und Kanten. Soweit so gut. Aber was, wenn man all diese bekannten Aspekte ignoriert und Architektur als eine dimensionslose Fläche ohne den ihr und ihren einzelnen Elementen zugesprochenen Zweck begreift?

Dann steht man mit hoher Wahrscheinlichkeit vor einer neuen Arbeit des Berliner Künstlers Tom Bäcker.

Der bereits durch seine fotografierten Worte bekannte Bäcker präsentiert in seiner aktuellen Ausstellung „Rechteckerei“ in der Arminius-Zunfthalle in Moabit eine beeindruckende, eindimensionale Sichtweise auf die Strukturen einer Großstadt. Mit grafischer Eleganz verwischt Bäcker Kanten, Vorsprünge, Vorder- und Hintergründe. Alles wird reduziert auf seine geometrische Form. Nur noch Linien, Streifen, Quadrate und Rechtecke. Wiederholungen gerne und bitte viel. Jegliche Tiefe entgleitet dem Auge und wird eingeebnet zu reinster Fläche. Zwar finden sich immer auch Schnittstellen, in denen man eine Ecke mit ihrer dazugehörigen Flucht vermuten könnte, doch letztlich bekommt die Wahrnehmung den Sprung in die dritte Dimension nicht hin. Eher noch ergibt sie sich dem Eindruck, dass an dieser Schnittstelle künstlich ein anderes Bild, eine andere Fläche angesetzt worden ist.

Und fast muss man Bäcker in der Wahl seines Trägermaterials, auf dem er die Arbeiten dieser Ausstellung präsentiert, eine bewusste Allegorie unterstellen: plane Flächen gedruckt auf LKW-Plane. Überhaupt klingt im Subtext Tom Bäckers großes Hauptthema Sprache durch. Den Dimensionen beraubt, scheint

es für Bäcker nur logisch, dass die resultierenden Werke auch eigenen

Sprachgesetzen unterliegen. Daher ergeben sich Bildtitel wie „Aufgezähltheit“,

„Kästchenstens“, „Winischkel (fazent)“ oder eben die „Kariertation

(schnimen)“.

Wer es schafft, die Sichtweise Bäckers für sich aus der Ausstellung zu

transportieren, wird die Stadt und ihre Architektur mit anderen Augen sehen.

Text: Igis Römer

Tom Bäcker lebt seit 2003 in Berlin und arbeitet dort seit 2006 als

autodidaktischer Künstler. Bekanntheit hat er bisher vor allem durch seine

fotografierten Worte erlangt, die bundesweit unter anderem als erfolgreiche

Postkartenserie Verbreitung finden. Diverse Ausstellungen und

Messebeteiligungen in und außerhalb Berlins schmücken seine Vita. Ebenfalls

im Oktober präsentiert Bäcker die Ausstellung „Nichts als Worte“in seiner

Heimatstadt Dortmund in der Galerie „Hörder Burg“.

Ausstellung „Rechteckerei“

Architekturische Fotografiertheiten von Tom Bäcker